Gestern Abend/heute Nacht war mal wieder Ersti-Kino. Das bin ich zwar eigentlich nicht mehr, aber für 1,99 kommt man sonst nicht mehr ins Kino
. Gut es war am späten Sonntag abend, aber für einen Studenten ist das ja der landläufigen Meinung nach sowieso mittags. Das soll aber nicht das Thema sein
Ich habe mich tatsächlich dazu entschieden, in "Das Parfüm" zu gehen. Vielleicht wird sich der eine oder andere wundern, weshalb ich ein "tatsächlich" davor geschrieben habe: In der Oberstufe war das besagte Buch von Patrik Süßkind bei uns Pflichtliteratur und eines der Abiturs-Themen. In dieser Ausführlichkeit wurde es auch behandelt. Problem war nur, dass ich es gehasst habe. Die endlose Beschreibungen von Gerüchen und anderem gepaart mit einer absolut kranken Hauptperson (oder kann man das Verhalten von Grenouille anders bezeichnen?) fand ich vollkommen überflüssig und verstehe bis heute nicht, warum Süßkind, so der denn tatsächlich das aussagen wollte, was wir hineininterpretiert haben, nicht einfach direkt gesagt hat. Wenn man ein Buch einfach so in seiner Freizeit liest, dann kann man es auf die Seite legen, wenn es einem nicht gefällt. Das geht bei einer Pflichlektüre in der Schule, die man monatelang durchkaut leider nicht. Spätestens ab dem Kapitel, als er 7 Jahre in den Bergen vegitiert, stand meine Entscheidung fest: Egal was kommt, über dieses Buch werde ich keine Abi-Klausur schreiben. Ich habe es gehasst. Es war einfach zu krank.
Daher war ich auch lange hin- und hergerissen, ob ich tatsächlich den Film anschauen sollte. Auf der einen Seite hatte es mich schon interessiert, wie die filmische Umsetzung realisiert ist und wie verschiedene Szenen dargestellt werden. Auf der anderen Seite war da der Hass aus der Oberstufe.
Überrascht war ich, wie nahe der Film am Buch war. Es hat fast nichts gefehlt und es wurde sehr wenig verändert, um es für den Film "passend" zu machen. Oft ist es ja so, dass diejenigen, die das Buch gelesen haben, bevor sie die Verfilmung gesehen haben, von der Verfilmnung enttäuscht sind, weil Dinge fehlen oder so verändert wurden, dass sie das anders rüber kommen. Ich glaube, dass wenige, die das Parfüm vor dem Film gelesen haben über den Film enttäuscht sind. Interessant fand ich, dass es am Anfang des Filmes relativ unruhig im Kino war, es aber immer stiller wurde. Scheinbar hatten die meisten etwas leichtere Kost erwartet. Natürlich weiß ich nicht, ob die anfängliche Unruhe an der kostenlosen Flasche Bier lag, die es zu Beginn gab und ob die Ruhe ihre Ursache in der Müdigkeit hatte
Zurück zur Überschrift: Auch der Film hat meine Meinung nicht geändert: Die Geschichte ist krank und ich sehe keinen Grund, weshalb ich jemanden, dem ich ein Buch empfehlen soll, genau dieses empfehlen würde, auch wenn die Literatur-Welt anderer Meinung ist.